Tipps

Auf dieser Seite weisen wir auf TV-Beiträge, Zeitungsartikel und Bücher hin, die uns besonders aufgefallen sind.


TV-Beiträge

Die ZDF-Fernsehdokumentation Das überwachte Volk – Chinas Sozialkreditsystem befasst sich mit dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Überwachung der Bevölkerung in diesem Land:
https://www.zdf.de/dokumentation/zdfinfo-doku/das-ueberwachte-volk-chinas-sozialkredit-system-102.html


Kunst

Haben Sie schon mal von Mikro-Kunst gehört? Axel Markens aus Moers produziert eine solche:


Bücher

Andreas Reckwitz, Die Gesellschaft der Singularitäten: Zum Strukturwandel der Moderne, 2017, 480 Seiten, broschiert 20 Euro.
Der deutsche Soziologe analysiert in einem ganz eigenen Ansatz neuere gesellschaftliche Entwicklungen. Seine zentrale These ist, dass die alte insdustrielle Moderne mit ihrer standardisierten Massenproduktion und ihrem standardisierten Massenkonsum in der „Spätmoderne“ abgelöst wird durch eine kulturelle Revolution des Besonderen. Überall wird nach Besonderem gejagt, ob durch besonders kreative Arbeitskräfte, ob in der Freizeit, ob in der Produktion vielfältiger, einmaliger Dienstleistungen. Bildung und individuelle Entwicklung haben für den einzelnen Menschen hohe Bedeutung. Reckwitz sieht eine sich verschärfende Klassenspaltung zwischen einer neuen akademischen Mittelklasse und einer immer größer werden neuartigen Unterklasse, die im Bereich einfacher Dienstleistungen angesiedelt ist. Wenn man sich durch die recht ausführliche Entfaltung seiner Begrifflichkeiten gearbeitet hat wird es spannend. Reckwitz befasst sich mit der immer stärkeren Ansiedlung der neuen Mittelklasse in Großstädten (mit dem Effekt der Gentrifizierung); er analysiert die Arbeitsweisen und Identitätsbildungen von „Neo-Gemeinschaften“ im Internet oder von rechtspopulistischen Gruppen; er sieht die Chancenlosigkeit von Parteien, wenn sie in der industriellen Moderne verhaftet bleiben, und vieles mehr.

Shoshana Zuboff, Das Zeitalter des Überwachungskapitalismus, 2018, 727 Seiten, 29,95 Euro.
Zuboff ist emeritierte Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der Harvard Business School, USA, die aber auch Philosophie studiert und in Sozialpsychologie promoviert hat. Sie setzt sich vor allem mit den Gefahren auseinander, die durch die Internet-Politik der großen Digitalkonzerne entstehen. Dabei zeigt sie, in welch großer Dimension diese im Hintergrund, bis weit in die intimsten Persönlichkeitsbereiche, das Verhalten von Menschen erfassen, analysieren, vorhersagen und manipulieren. Für sie sind Digitalkonzerne wie Google, Facebook oder Amazon Agenten eines „Überwachungskapitalismus“, die in der Ausspähung und Manipulation von Individuen eine zuvor niemals mögliche Tiefe erreichen. Ihre zentrale These ist, dass die Überwachungskapitalisten sich widerrechtlich die Erfahrungen der sie nutzenden Menschen aneignen, daraus Wissen generieren, mit dem sie das Verhalten dieser Menschen voraussagen können, und dieses Wissen dann auf Märkten an ihre „eigentlichen“ Kunden weiterverkaufen. Letztere nutzen diese Dienste beispielsweise für personalisierte Werbung oder Wahlmanipulationen. Einerseits verschleiern diese Agenten ihr tiefes Ausspähen und Angeignen höchst erfolgreich. Und auf der anderen Seite wehren sie konsequent politische Ansätze ihrer Regulierung ab. Dabei, so Zuboff, könnten sie allmählich die Demokratie zerstören. Anders als bei Reckwitz wird hier ein Kapitalismus herausgearbeitet, der die Gesellschaft massiv im Sinne des dargestellten Verwertungsmodells umgestalten will. Die Digital-Ökonomie ist dabei nur Werkzeug, und nicht etwa Ursache dieser Entwicklung. Das Buch ist leider sehr dick. Manches hätte sicherlich viel kürzer geschrieben werden können. Dennoch ist es für die Einschätzung des aktuellen „Informationskapitalismus“ sehr wertvoll.

Peter Frankopan, Die neuen Seidenstraßen – Gegenwart und Zukunft unserer Welt, 2020 (englisches Original 2015), Taschenbuch 12,00 Euro.
Frankopan ist ein britischer Historiker, der sich intensiv auch mit asiatischen Ländern befasst hat. Seine zentrale These ist, dass die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Prozesse in Asien, und insbesondere in Zentralasien, die zukünftige globale Entwicklung bestimmen werden. Er wählt den Begriff Seidenstraßen, weil damit (bewusst unscharf!) an die frühere historische Bedeutung Asiens erinnert wird, was weit über das Projekt der Neuen Seidenstraße des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping hinaus geht. Frankopan stellt mit hoher Kenntnis dar, wie sich Kooperations-Netzwerke zwischen asiatischen Staaten herausbilden, die eine große wirtschaftliche und geopolitische Wucht entfalten werden. Anders als in der verbreiteten einfachen Deutung, dass Europa zwischen den USA und China zerrieben wird, vermittelt er ein viel komplexeres und detaillierteres Bild darüber, welche zukunftsgerichtete Energie von Asien ausgeht. Folgt man ihm, wird wesentlich klarer als bei der einfachen Gegenüberstellung von USA und China, was Europa unternehmen muss, um eine eigenständige, selbstbewusste Rolle zu erlangen.